Offener Brief an die SWK Versorgungs AG

Anlässlich unserer letzten Demonstration am 23. August haben wir einen offenen Brief an die Stadtwerke Kaiserslautern formuliert. Unser Ziel war es, die SWK AG Versorgung zu einem entschlosseneren Handeln in Bezug auf die Klimakrise aufzufordern. Auch sollte damit die breite Öffentlichkeit auf das Handeln und mögliche Versäumnisse der Stadtwerke diesbezüglich aufmerksam gemacht werden. Zu diesem Zweck möchten wir den Inhalt unseres Briefes auf diesem Wege weiter verbreiten:

Sehr geehrter Vorstand der Stadtwerke Kaiserslautern Versorgungs-AG,

Ohne entschlossenes Handeln und weitreichendes Umdenken in der Energieversorgung können die Ziele des Pariser Abkommens nicht eingehalten und die Erderwärmung nicht auf 1,5 ° Celsius begrenzt werden. In Deutschland stammen allein 40 % der ausgestoßenen Treibhausgase aus der Energiewirtschaft. Eine rasche Absenkung dieser Emissionen ist entscheidend, wenn wir die Klimakrise abwenden und unsere Ökosysteme vor irreparablen Schäden schützen wollen. Auf lokaler Ebene folgt daraus die Verantwortung ihres Unternehmens zukunftsorientiert zu handeln und unsere Stadt nachhaltig und umweltfreundlich mit Energie zu versorgen.
Wir sind der Meinung, dass Ihr Unternehmen aktuell dieser moralischen Verpflichtung nicht ausreichend gerecht wird und zu wenig für den Klimaschutz leistet.

Warum waren die Investitionen in erneuerbare Energien in den vergangenen Jahren so niedrig? Lediglich 8% des Strombedarfs werden aus örtlichen PV-oder Windanlagen gedeckt (Vgl. Masterplan 100 Klimaschutz, S.33). Haben Sie konkrete Pläne, um das Potenzial der erneuerbaren Energien, das im Masterplan beschrieben wird, auszuschöpfen?

In den Berechnungen von Ihrem Finanzplan gehen Sie davon aus, dass fossile Energieträger wirtschaftlicher als erneuerbare sind. Angesichts stark steigender Kosten für Co2 Zertifikate und sinkender Kosten für PV und Windstrom sollte eine Umstellung langfristig günstiger und essentiell für die Einhaltung des Masterplans 100 sein. Werden Sie diese neuen Entwicklungen auch in Ihrem Finanz- und
Investitionsplan berücksichtigen und neue Pläne verabschieden?

Sie sind aus dem Projekt EnStadt:Pfaff ausgetreten, obwohl durch die bestätigte Förderwürdigkeit das Leuchtturmpotenzial dieses Projekts herausgestellt wurde. Dementsprechend hat das Pfaffgelände das Potenzial, eine Signalwirkung für zahlreiche ähnliche Folgeprojekte innerhalb der Stadt zu generieren. Wir fragen uns hier, ob das Leitbild ihres Unternehmens hier nicht an der Realität vorbeigeht, sie idealisiert: „Wir setzen auf zukunftsweisende Lösungen“ (Die SWK Philosophie). Wir haben den Eindruck gewonnen, dass Sie die ökonomischen Aspekte deutlich über die ökologischen stellen und sie Ihrer Verantwortung für die Stadt auch jenseits der Finanzen nicht gerecht werden. Wir sehen eine intakte Natur als Grundlage allen Lebens, auch das Ihrer Kunden. Was können Sie Ihrer Meinung nach tun, um diese Lebensgrundlagen zu schützen?

Nach unseren Informationen reduziert ein Niedertemperatur-Fernwärmenetz den Energieverlust deutlich und wird heute bei Neuinstallationen bevorzugt. Planen Sie ihr Fernwärmenetz auf Niedertemperatur umzustellen, um somit CO2-Emissionen zu reduzieren?

Wieso findet man bei gezielter Recherche keine Informationen über das von Ihnen betriebene Steinkohlekraftwerk und wann haben Sie vor, dies endlich abzuschalten? Stimmt es, dass die Kohle für das Kraftwerk aus Amerika kommt? Falls ja, wie lange gehen noch Ihre Lieferverträge?

Letztendlich bleibt eine Frage: Welche Rolle möchte Ihr Unternehmen übernehmen, um die erneuerbaren Energien und die Energiewende in der Stadt voranzutreiben?
Gerne sind wir dazu bereit, in einem gemeinsamen Gespräch mögliche Vorhaben zu besprechen und unsere Standpunkte und Ideen mit einzubringen.
Wir würden uns freuen, wenn Sie zu unseren Fragen Stellung beziehen und sich Ihrer Verantwortung für eine lebenswerte Zukunft für nachfolgende Generationen stellen.

Mit freundlichen Grüßen,
Fridays For Future Kaiserslautern.